Mit Markus 

Seit wir uns kennen, machst du alles mit Markus. ‚Ich bau noch den Schrank auf – mit Markus.’

‚Ich geh auf Fotosafari – mit Markus.’

‚Sei mir nicht böse, ich brauch den Kopf frei. Nur ein Bier – mit Markus.’

‚Hier war ich schon oft –mit Markus.’

Seit gestern wissen wir, es wird schwierig etwas mit Markus zu unternehmen. 

Seit gestern versuchen wir zu verstehen, dass alles was mit Markus war sich auf Zeiten die hinter uns liegen bezieht und es in Zukunft nur Erinnerungen an ihn, aber keine neuen Abenteuer mit ihm geben wird. 

Keiner, der mehr versucht auf jedem Umzug die Waschmaschine alleine zu tragen.

Keiner, der sehr gerade, sehr direkt, sehr ehrlich sagt, was an Gedanken durch seinen Kopf zuckt.

Keiner, der im Tinkerbellkostüm mit dir diskutiert und dabei mit dem Becks in der Hand wie nebensächlich seine Flügel nach hinten wirft, um seine Aussage zu untermalen.

Diese Tinkerbell-Momente zischen immer wieder wie kleine Filme durch meinen Kopf. 

Markus, wie er wild fluchend versucht mit den Kindern einen Drachen in die Luft zu bekommen.

Markus, der immer innehält, um in eine Kamera zu grinsen oder die vom Fotografen gewünschte Grimasse zu ziehen.

Markus, der als erster zu meinem Geburtstag kommt und ganz verlegen, neben seinem Geschenk, eine Primel überreicht. 

Ich konnte nur ein Jahr solcher Momente sammeln. Du sammelst schon so lange. 

Und ihr wolltet weiter sammeln. 

Der Plan war, dass du als alter, gehässiger Opa auf einer Parkbank sitzt und grinsend vorbeiradelnden Kindern Stöcker in die Speichen wirfst – natürlich mit Markus. 

Der Gedanke, dass du verbittert und alleine auf einer solchen Bank sitzt und lustlos Steine nach Vorbeigehenden wirfst, ist zu traurig. 

Also denke ich, der Markus wird schon da sein. 

Irgendwo. 

Ich möchte mir das nicht anders vorstellen. 

So ein Körper mag leblos rumliegen, aber Tinkerbell wird um dich rumschwirren. 

Ich warte ab jetzt darauf, dass sich deine Waschmaschine wie von Geisterhand verschiebt, wenn nicht sogar die Treppen runterfällt. 

Ich hoffe, dass du das nächste Mal, wenn du deine Porsche-Kamera auf euer superleichtes, unbedingt nötiges Stativ baust und überlegst, wie du das Motiv am besten einfängst, seine Stimme kreative Eingebungen in dein Ohr flüstert.

Ich wünsche mir, dass sich das Autoradio lauter dreht, bei Songs, die er mag (ich weigere mich Präteritum zu verwenden).

Ich grinse bei dem Gedanken daran, dass wir demnächst zusammen den Teufelsberg erklimmen, mein Kind eingeschnappt den Weg langstiefelt, laut schmollt und ins Stolpern gerät, weil Tinkerbell ihm ein Bein gestellt hat und dabei lacht.

Ich stell mir vor, wie du über deine Probleme und Sorgen nachgrübelst und Markus neben dir sitzt, das Kinn auf die Hand gestützt und dir aufmerksam zuhört. Vielleicht schicke ich dir irgendwann einen Song und ihr überlegt zusammen, was zum Teufel ich dir damit sagen möchte. 

Ich erwarte geradezu, dass es beim nächsten großen Frühstück nach Chinanudeln riecht, weil Markus sicher auch als Tinkerbell nicht genau zuhört und sein Essen einfach mitbringt. 

Ich beharre auf die Option, dass es so sein kann. 

Vielleicht stell ich hier schon mal einen Aschenbecher auf, hab immer ein Becks im Kühlschrank und sitz im Auto in keinem Fall mehr auf Markus Platz, weil das ja fast unanständig wäre. 

Ich möchte nicht, dass er weg ist. 

Ich möchte ‚mit Markus’.

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2 Gedanken zu “Mit Markus 

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