To die or to live for – a year ago…

Es ist einer dieser Tage, an denen du unwillig dein Kind in die Obhut des Erzeugers gibst und für die Großzügigkeit es dorthin zu transportieren mit einer Drohung belohnt wirst. Warum wird der Chauffeurin des Kindes gedroht? Sie hat es gewagt, für den Dienst am gemeinsamen Kinde – auf diese Betitelung pocht der Erzeuger – einen finanziellen Ausgleich einzufordern. Unterstützung, wenn man es wertschätzend formulieren möchte. Unterstützend wirkt der Kindsvater seiner Meinung nach jedoch an den vier Tagen, die er pro Monat mit dem Sohn verbringt, schon genug. Ergänzendes Füttern, Einkleiden sowie sportliches Fördern, um nur einen minimalen Auszug aus dem Bedarfskatalog des Jünglings zu benennen, scheint wie selbstverständlich Aufgabe der Dame, die ohnehin schon Zeit, Liebe und jede Menge Energie in das gemeinsame – ja, gemeinsame – Kind investiert. Begeistert vom Entgegenkommen des Vaters, hatte eben jene Dame beschlossen, eine Behörde in den Kommunikationsprozess zu integrieren. Kooperativ, wie man ihn kennt, benötigte der Herr lediglich 18 Monate, um sich der Behörde vorerst zu ergeben. Vorerst. Scheinbar. Weit gefehlt. Erklärte der Vater schon während der Verlesung des Titels, dass kein Kind der Welt so viel Unterhalt je ausgeben könnte, so setzte er in den folgenden Monaten alles daran, das Kind gar nicht erst in die Versuchung zu führen, sich jemals an den vom Jugendamt berechneten Betrag zu gewöhnen. Geschuldet ist dies natürlich auch einer harmonieversessenen Mutter, die hoffte, der Vater würde freiwillig seinen Beitrag leisten und einsehen, dass man für ein gemeinsames Kind unter Umständen auch gemeinsam aufkommen sollte. Reflektion ist neben Verantwortung jedoch ein Fremdwort im Wortschatz des Besagten. Irgendwann sah auch ich ein, dass auf Harmonie geschissen werden könne. Mein Kind – nicht das gemeinsame, nur meins – soll bekommen, was ihm zusteht, denn ich bin mir sicher, wenn einer seinen kompletten Unterhalt auf den Kopf haut, dann mein Sohn und nicht sein Vater. So logisch dieser Gedankengang sein mag, der Erzeuger sieht es anders. Ganz anders. Und genau dies teilte er mir nun zwischen Tür und Angel, vor dem Kinde mit. Mein mangelndes Verständnis nötigte ihn dann wohl dazu, tief in die Trickkiste zu greifen, und anzukündigen, er könne auch anders. Aha. Ja, dann würde er seine Anwälte einschalten. Nun gut. Hatten wir zu unserer Scheidung noch eine gemeinsame Anwältin, beschäftigt der Gute nun ein Anwaltsteam. Kein Wunder, dass kein Geld für Unterhalt ausgezahlt werden kann. 

Nach einer nachdenklichen Heimfahrt rief ich Paris an. In mir war Stille, Wut und die Frage, ob ich dem Mann wirklich, wie er behauptet, seine Existenz raube, wenn ich auf den vollen Unterhalt für das Kind bestehe. Ich brauchte eine klare Ansage: Du machst das Richtige, du bist nicht böse, du bist immer noch eine liebe Person. Ich bekam eine klare Ansage. Klar, mache ich das Richtige. Klar, bin ich nicht böse. Miss, erkenn bitte den Unterschied zwischen lieb und dumm. Upps. Nachdem der Schmerz über den verbalen Tiefschlag nachgelassen hatte, fing das Gehirn an zu arbeiten. War ich damals dumm, auf meinen eigenen Unterhalt zu verzichten? War es noch dümmer bis ebenfalls verantwortungslos nur einen Teil des Kindsunterhalts einzufordern? Und warum zum Teufel hatte ich mich dann so verhalten? Paris hatte auch hierauf eine Antwort. Keine Konfrontation, kein Kampf, ein ruhiges Leben. Harmonie. Welche Harmonie? Ist Harmonie, wenn die eine denkt, sie ist ein lieber Mensch und der andere sich totlacht? Ich muss einsehen, ich hasse Konfrontationen. Es ist leichter, ihnen aus dem Weg zu gehen, als sie auszutragen. Aber hier geht es um mein Kind. Das Kind, für das ich sterben würde, wenn ich müsste. An diese Aussage wurde ich während des Telefonats erinnert. Ob es nicht sinnvoller wäre, für das Kind zu leben und für seine Rechte zu kämpfen, wurde ich gefragt. Es ist eine dieser rhetorisch meisterhaft formulierten Fragen, deren Antwort sich erübrigt. Dennoch, eine leichte Kränkung über die fehlende Anerkennung meiner bis hierhin geleisteten Kampfleistung kann ich nicht leugnen. Ich bin aus einer unbedacht eingegangenen Ehe ausgebrochen, wohlwissend, dass ich mein Kind nicht mit den Werten des Kindsvaters erziehen will. Ich habe bestimmt viele Jahre in vielen Fragen undenkbar dumme Kompromisse akzeptiert, weil ich einfach meine Ruhe und mein Kind für mich wollte. Mein Kind wächst in einer bunten Wohnung, in der Menschen ein- und ausgehen, auf, ist offen, frech und hält das Besitzen eines Autos oder Hauses nicht für ein Lebensziel. Er wird Schwimmer und nicht Golfer. Er wird nie einen Jura-Vollautomaten besitzen und mit ein bisschen Glück auch nie einen Carlo Colucci Pullover. Den Kampf um den Charakter des Kindes habe ich bis hierhin jedenfalls gewonnen. Mein schlimmster Alptraum ist eben nicht mehr zu leben. Ihn nicht in meiner Welt, mit meinen Idealen zu dem glücklichen, freien Menschen werden zu lassen, den ich mir als Mutter wünsche. To die or to live for? In jedem Fall entscheide ich für mich gerade, was ich ihm für einen Menschen vorlebe. Eine Mutter, die nachgibt, nur der Ruhe, der scheinbaren Harmonie wegen, oder eine Mama, die endlich lernt ihr Leben zu kontrollieren, für ihn den unbequemen Weg geht und sich nicht länger auslachen lässt? Es ist eine dieser rhetorisch meisterhaft formulierten Fragen, deren Antwort sich erübrigt.

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